Woher weißt du was für dich richtig ist? Impuls zu handeln oder nicht?

Woher weißt du was für dich richtig ist? Impuls zu handeln oder nicht?

Von Susanne habe ich per Email eine Frage bekommen und ich hatte das Gefühl, die Antwort könnte für andere auch interessant sein, deshalb schreibe ich hier darüber ;-)

 

Das war ihre Frage: 

 

Wie unterscheide ich zwischen einem Impuls zu handeln und nur zu glauben, etwas tun, etwas leisten zu müssen?

Ein Beispiel:

Ich will ein neues Buch schreiben oder vielleicht ist es auch nur das Gefühl, eins nachlegen zu müssen.

Im Moment sind die Kinder zu Hause (wegen Corona) und ich kann mich nicht gut konzentrieren und hab keine Lust. Also schreibe ich nicht.

Jetzt kann ich nicht mehr unterscheiden, ob ich einfach bequem bin und mich herausrede oder ob es gerade einfach nicht ansteht und andere Dinge wichtig sind.

Wie weißt du in deinem Leben was für dich richtig ist?

 

Susanne möchte also wissen, ob

  • der Impuls, das zweite Buch zu schreiben, ihrem weisen Ich/ höheren Selbst/Seele entspringt und sie ihm jetzt folgen sollte
  • oder ob der Impuls zu schreiben daher kommt, etwas leisten und etwas tun zu müssen
  • ob sie sich mit dem Nichts-Tun nur herausredet oder
  • ob im Moment wirklich einfach andere Dinge anstehen und es somit in Ordnung ist, nicht zu handeln = schreiben

 

Ich glaube jeder von uns kennt derartige Fragestellungen. Deshalb möchte ich verschiedene Lösungsansätze zeigen und jeder kann sich aussuchen, was gerade am besten zur jeweiligen Situation passt. Es sind natürlich auch Kombinationen möglich.

 

1. Annehmen und offen sein für das Gefühl

 

Manchmal kann es in solchen Situationen nötig sein, das Gefühl was durch die Fragestellung ausgelöst wird, anzunehmen. Zum Beispiel kann Unsicherheit, Verwirrung, Haltlosigkeit, Angst, Schmerz, Verletzlichkeit, Trauer etc mit im Spiel sein und wenn wir diese Gefühle unterdrücken, dann blockiert es oft die ganze Situation und verhindert, dass wir in die Klarheit kommen. Gestehe dir also alle Gefühle ein, die mit dem Thema in Zusammenhang stehen und nimm dir bewusst Zeit und lade die Gefühle ein. Fühle das Gefühl, erlaube ihm da zu sein (eines nach dem anderen wenn es mehrere sind). Manchmal bringt schon das alleine die Energie wieder so ins Fließen, dass sich die Klarheit von selbst einstellt. Wenn du Klarheit hast, dann handle danach, das ist sehr wichtig.

 

2. Wenn du dazu neigst, dich zu sehr anzutreiben

 

Wenn du ein Typ bist, der streng mit sich selbst ist, alles am liebsten perfekt machen möchte, sich keine Ruhe gönnt oder glaubst immer etwas leisten zu müssen, dann darfst du dich erst mal entspannen. Atme tief durch und entspanne dich in die Unsicherheit, das Unperfekte, das Hilflose, das Unfertige hinein. Lass dich ruhig und gelassen in die offene Frage und alles was damit zusammenhängt, hinein sinken. Wie wäre es, wenn du nichts leisten müsstest? Wenn alles schon perfekt wäre, genau so wie es ist? Wie wäre es, wenn du dich wirklich ausruhen könntest und nichts machen müsstest? Wie wäre es wenn du nichts falsch machen könntest?  Wie wäre es, wenn du nicht mehr überall Verantwortung übernehmen würdest? Wie wäre es, wenn du jetzt gar nicht wissen musst, was richtig oder falsch ist? Nimm dir Zeit dafür, du kannst diese Übung mehrmals machen und dann sieh, was geschieht. Oft erkennst du dann, aus dieser gelösten und entspannten Haltung heraus genau, was jetzt ansteht und was nicht.

 

3. Wenn du dazu neigst, auszuweichen und nicht durchzuhalten

 

Wenn du eher der gegenteilige Typ zu Punkt Nummer 2 bist, dann kann man bei dir mit Aussagen wie: “Du solltest erst mal entspannen und abwarten”, “überstürze besser nichts”, “sei nicht streng mit dir” etc offene Türen einrennen, denn dein Muster ist es, auszuweichen, zu wenig Einsatz zu bringen und zu schnell aufzugeben. Natürlich hast auch du eine innerliche Anspannung, die du aufgeben darfst, aber der Impuls darf bei dir in Richtung handeln und Aktivität gehen. Komm in Bewegung; oft im wahrsten Sinne des Wortes: gehe spazieren oder wandern, mache Sport, sei aktiv (räum den Keller um, mache einen Großputz etc) und alleine dadurch kommt oft bei dir schon die Klarheit, was jetzt im Leben wichtig und angesagt ist.

 

4. Kläre deine Werte und Prioritäten

 

Im Idealfall sind uns unsere Prioritäten und Werte, nach denen wir leben (wollen) bewusst und wir setzen uns in regelmäßigen Abständen damit auseinander, überarbeiten sie und legen sie neu für uns fest. Gewisse Werte und Prioritäten bleiben für uns ein Leben lang wichtig, andere verändern sich im Lauf der Zeit. Nur du selbst kannst diese für dich klären, festlegen und danach leben. Das hat viel mit einem selbstbestimmten Leben zu tun. Schau nicht was andere, deine Familie, deine Freunde, dein Umfeld, Prominente, etc für gut finden, sondern forsche immer wieder in dir selbst, was jetzt wirklich essentiell und wichtig für dich ist und nach welchen Grundwerten du dein Leben ausrichten möchtest. Ohne Selbsterforschung, Zeit für dich alleine und Bewusstheit geht es an der Stelle nicht. Wenn du dann vor einer Entscheidung stehst und nicht genau weißt, was das Richtige zu tun ist, schaue wie die verschiedenen Optionen deine Werte und Prioritäten abdecken. Sollte eine Option klar vorne liegen, wähle diese aus. Im Beispiel von Susanne wäre Option A jetzt mit dem Schreiben von Buch Nummer zwei zu beginnen und Option B sich gelassen um Kinder, Haushalt etc zu kümmern. Manchmal sind sowohl Option A als auch B gleichwertig was Werte und Prioritäten anbelangt, dann kann (wenn es möglich ist) versucht werden, beides zu leben. Susanne könnte zum Beispiel jeden Tag morgens eine Stunden früher aufstehen, solange die Kinder noch schlafen, und in dieser Stunde kompromisslos schreiben und sich den Rest des Tages Option B widmen. In solchen Fällen wo A und B gleichwertig sind, aber nicht gleichzeitig gelebt werden können, kannst du noch einen weiteren der 15 Lösungsansätze wählen, um dir klar zu werden.

 

5. Dient es deiner Lebensaufgabe?

 

Dieser Punkt hat Ähnlichkeit und Verbindung mit Punkt 4. Mach einer wird jetzt sagen: “Woher weiß ich denn überhaupt was meine Lebensaufgabe ist?”. Deine Lebensaufgabe ist nicht irgendeine ominöse, versteckte Aufgabe, die du mühevoll herausfinden musst sondern ganz einfach der rote Faden, der sich durch dein Leben zieht. Du lebst also deine Lebensaufgabe auf jeden Fall sowieso schon, ob es dir bewusst ist oder nicht. Dabei muss sie nicht ein besonderer Job/ Arbeit sein, sondern es ist wie ich so gerne sage, das Geschenk, was du in das Leben mitgebracht hast, was nur du verwirklichen kannst und damit dem Großen Ganzen zur Verfügung stellst. Deine Lebensaufgabe setzt sich aus deinen Fähigkeiten und Talenten zusammen und dem Überwinden der dazugehörigen Herausforderungen und deinen Schwächen.  Aus meiner Sicht ist es sehr wichtig seine Lebensaufgabe zu kennen, da unsere Werte und Prioritäten sowie alle wichtigen Entscheidungen an unsere Lebensaufgabe angepasst sein sollten.

 

6. Gehe mit der Frage in die Tiefe

 

Um mit einer Frage in die Tiefe zu gehen, ist es nötig “schnelle Antworten” zu vermeiden, sondern sich bewusst Zeit zu nehmen, um damit “schwanger zu gehen”. Lass die Frage ganz bewusst in dir wirken: während der Meditation, bei langen Spaziergängen, bei allen Tätigkeiten die nicht deine volle Aufmerksamkeit benötigen, beim Aufwachen und Einschlafen, in allen kurzen 5 Minuten Zeitfenstern wo du auf etwas warten musst, etc. Und widerstehe dabei eben allen schnell auftauchenden Antworten, sondern frage nach ” Was ist dafür jetzt wirklich die beste Lösung? Was steht jetzt wirklich für mich an? Welche Option möchte meine Seele verwirklichen? Was ist in der Tiefe meines Seins jetzt essentiell? Was ist wirklich wirklich für mich wichtig? Was ist jetzt wirklich der nächste Schritt auf meinem Lebensweg? etc”. Eine ausgeprägte Form dieses Punktes ist es, auf eine Visionssuche zu gehen: eine bestimmte Zeit ganz alleine in der Natur zu verbringen, ohne Kontakt in die Welt, um mit seiner Seele und der Vision, die sie verwirklichen will, in Kontakt zu kommen. Dazu gibt es geführte Kurse.

 

7. Die Stuhlmethode

 

Wenn du dir zwischen zwei Optionen unsicher bist, nimm zwei Stühle und stelle sie gegenüber. Mach vorher klar, welcher Stuhl für Option A und welcher für Option B steht. (Bis vier Optionen sollte das gut alleine möglich sein). Nimm noch eine weiteren Stuhl, der für den neutralen Beobachter steht. Setze dich zuerst auf den Stuhl des neutralen Beobachters und schaue auf die Optionen, wie geht es dir dabei? Dann setze dich auf Option A und nimm dir Zeit: wie fühlt sich das an, was bemerkst du im Körper, welche Gefühle steigen hoch? Wechsle nach einiger Zeit zum Stuhl für Option B und spüre auch dort nach. Am Ende setzt du dich nochmal auf den Stuhl des neutralen Beobachters. In vielen Fällen kannst du so für dich die stimmigste Option herausfinden.

 

8. Gib es “oben ab” mit der Bitte um Klarheit

 

Etwas abzugeben und los zulassen kann wichtig sein, wenn wir uns festgefahren haben und nichts mehr geht. Unsere Entscheidung können wir dann mit der Bitte um Klarheit abgegeben: “nach oben”, ans Universum, an Gott, an die Engel, an unsere Seele, an eine höhere Macht, an die universelle Intelligenz etc. Wähle einfach die Instanz aus, der du am meisten vertraust. Geh dabei in etwa so vor: “Ich bitte jetzt um vollkommene Klarheit in dieser Entscheidung. Bitte zeige mir deutlich bis in 3 Tagen (oder welcher Zeitpunkt eben stimmig ist) welche Option die bestmögliche Wahl für mich und das Große Ganze darstellt. DANKE”. Nachdem du es abgegeben hast, entspanne dich und denke auch wirklich nicht mehr darüber nach. Widme dich erst einmal anderen Dingen. Achte dann nach einiger Zeit  auf klare Zeichen, Träume, inneres Wissen, Aussagen von anderen etc. Die Antwort kann auf vielfältige Weise zu dir kommen.

 

9. Wenn du nur noch 4 Monate zu leben hättest…?

 

Du kannst diesem Gedankengang einmal Raum geben: wenn du nur noch 4 Monate zu leben hättest, welche der beiden Optionen würdest du dann wählen? Was hätte dann klar Priorität?

 

10. Gehe an dein Lebensende und schaue zurück

 

Dies eignet sich für große Lebensentscheidungen. Stell dir vor du feierst deinen 95. Geburtstag. All deine Lieben haben sich um dich versammelt, du schaust auf ein volles, reiches Leben zurück. Dann erzählst du deinen Lieben davon, als du eben damals vor dieser Entscheidung standest und wie wunderbar es sich ausgewirkt hat, dass du Option X gewählt hast und wie sich dein Leben dadurch verändert hat. Du kannst beide Optionen durchspielen und schau einfach welche Option sich deutlich besser anfühlt.

 

11. Bitte die göttliche Ordnung

 

Gerade habe ich einen ausführlichen Artikel für die Göttliche Ordnung geschrieben. Für eine Entscheidungsfindung gehe in etwa so vor:

  • Ich bitte die göttliche mich in dieser Entscheidung zu führen
  • Ich bitte die göttliche Ordnung in dieser Entscheidungsfindung sichtbar zu werden
  • Ich bitte die Göttliche Ordnung um eine klare Lösung
  • Göttliche Ordnung herrscht jetzt in dieser Entscheidungsfindung
  • Göttliche Ordnung bitte zeige mir ob Option A oder B jetzt für mich und das Große Ganz am besten ist

 

12. Wirf eine Münze

 

Wenn sich herausstellt, dass Option A und B in etwa gleichwertig sind (Werte und Prioritäten) und beide zu deiner Lebensaufgabe passen und du anderweitig nicht zu Klarheit gekommen bist, dann wirf eine Münze und setze die Option, die gewinnt, beherzt um. Wirklich falsch kannst du damit nicht liegen und oft ist es nur wichtig überhaupt mal in die konkrete Handlung zu kommen. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt ein Kurswechsel zeigen, ist das auch okay.

 

13. Manchmal ist es schon entschieden und wir halten die Frage nur zur Rechtfertigung aufrecht

 

Manchmal haben wir uns schon entschieden, gestehen es aber uns selbst oder anderen gegenüber nicht ein und tun deshalb so, als wären wir noch in der Entscheidungsfindung. Das hat dann wenig Kraft. Besser ist es in diesem Fall ganz klar und bewusst zu dieser Entscheidung zu stehen und manchmal ändert sich dadurch auch etwas. Woran merkst du, dass du dich schon entschieden hast? Wenn du nach einer Option handelst, aktiv bist, und Taten vollbringst. Dann sprich laut aus: “Ich habe mich entschieden Option A zu leben. Ich handle schon danach mit mit den Taten X, Y und Z.” Schau was dann passiert in dir.

 

14. Ist es Zeit los zulassen und weiterzugehen?

 

Es kann auch vorkommen, dass wir uns den Kopf über Option A und B zerbrechen, dabei geht es in Wirklichkeit darum, etwas anderes, also C hinter uns zu lassen, einen Abschied vorzunehmen, etwas zu beenden. Dem gehen wir aber aus dem Weg und beschäftigen uns stattdessen mit A und B. Wenn du also in einer Entscheidung nicht weiter kommst, frage dich, geht es vielleicht um etwas anderes? Ist das jetzt wirklich die wichtigste, dringlichste, als nächstes anstehende Entscheidung oder weiche ich etwas anderem aus? Wie immer liegt die Antwort in dir.

 

15. Manchmal ist die Frage nicht WAS, sondern Wie

 

Auch das ist mir in der Praxis schon untergekommen, dass jemand eigentlich weiß, dass er Option A umsetzen soll, aber nicht weiß wie und dann anstatt klar weiterzugehen in Richtung “Wie” stecken bleibt und meint er wäre noch beim Abwägen zwischen A und B. Die Frage nach dem WIE ist wieder eine ganz andere. als sich zwischen Optionen zu entscheiden. Prüfe ob das bei dir der Fall ist, wenn du bislang zu keiner Lösung gekommen bist.

 

 

So, nun hoffe ich, dass diese Auflistung für dich hilfreich ist und du schneller und leichter zur für dich richtigen Entscheidung kommst.

 

 

PS: falls dich interessiert, welches schöne Buch Susanne schon geschrieben hat, dann schau mal hier: www.susanne-kammerer.de

 

 



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